Schützenhalle
 

Geschichte

 

 
 

Erinnerung für alle, die in diesen Jahren tatkräftig im Einsatz waren.

Ein Wanderer, der vor mehr als 25 Jahren aus der Senne kam und auf seinem Heimweg die Bahnunterführung (Bahnbrücke 1906 erbaut) passierte, um anschließend das Gehöft Bachmann zu erreichen, wusste wohl, dass dort hinter dem Hof eine Schützenhalle gebaut werden sollte, aber über die genaue Planung wusste er nichts. Noch erfreute er sich am äsenden Damwild und den Gänsen, die der damalige Besitzer Werner Driewer dort hielt.



Der Unbekümmerte, der schon lieber heute als morgen hier in einer neuen Halle feiern und tanzen wollte, hatte wenig Ahnung, welche schwierigen Hürden der Schützenvorstand noch zu überwinden hatte, bevor er gemeinsam mit dem Ortsvorsteher und Ratsherrn Walter Hofmann und der Stadt Paderborn den Grundstein für das Schützenhaus legen konnte.

Nur wer maßgebend an der Planung und am Bau des Schützenhauses beteiligt war, kann nachvollziehen, wie viel Arbeit, aber auch Enttäuschung mit der Verwirklichung verbunden waren.

Federführend waren Schützenoberst Heinrich Meier, der gesamte Schützenvorstand und viele (nicht alle) Mitglieder der St. Sebastian-Schützenbruderschaft Marienloh 1904 e.V. Es erging ein Aufruf an alle Schützenbrüder, sich aktiv am Bau der Schützenhalle zu beteiligen.

Ich möchte an dieser Stelle keinen der vielen Helfer namentlich nennen, da es mir passieren könnte, den einen oder anderen zu übersehen. Viele Aktive haben eine Unmenge an Stunden eingebracht, das Projekt in die Tat umzusetzen.

 

Hier zur Vorgeschichte:
Noch war man mit der kleinen Anlage auf der ehemaligen Hofstelle der Familie Franz Düsterhaus zufrieden. Jedoch wurde auf einer außerordentlichen Versammlung am 8. Juli 1978 der einstimmige Beschluss gefasst, eine Halle in den Maßen von 15 x 30 m zu bauen. Mit diesem Beschluss wurde ein Verhandlungsmarathon eingeläutet. Gebaut werden sollte die Halle dort, wo man schon zuvor die Toilettenanlagen, die Räume für die Schießsportabteilung und den Stand für das Vogelschießen errichtet hatte. Nach Vorverhandlungen wurde auf der am 13. Januar 1979 im Jugendheim abgehaltenen Generalversammlung beschlossen, mit der Stadt Paderborn in Verhandlungen zu treten, was dann auch mit den ersten fertigen Plänen geschah. Nach fast einjähriger Prüfung seitens der Stadtverwaltung und des Vorstandes, den Marienloher Friedhof als Waldfriedhof an den Sennerand zu verlegen, folgte am 29. September 1979 ein negativer Bescheid. Bei dieser Gelegenheit wurde der Bau einer Schützenhalle rund um die 1971 erstellte Schul-Sporthalle in Erwägung gezogen und zunächst von allen befürwortet. Befürwortet, wieder verworfen, neu verhandelt, brachte den genervten Oberst anlässlich der Generalversammlung am 20. Januar 1980 zu dem Ausspruch: „Der Hallenbau ist zu einem Albtraum geworden."

Am 25. Mai 1980 informierte der Planungsrat der Stadt Paderborn in einer eigens anberaumten Bürgerversammlung nochmals über den Stand des Hallenbaus im Bereich der Turnhalle. Erst während eines Informationsabends am 2. August 1981 gab man bekannt, dass alle vorausgegangenen Pläne und Überlegungen als hinfällig zu behandeln seien. Es erklärten gleichzeitig beide Seiten, dass man sich mit dem Grundstücksinhaber Werner Driewer einig geworden sei, hinter seinem Gehöft, zwischen Senneweg, Flößgraben und der stillgelegten Bahntrasse, endgültig eine Halle bauen zu können.
Man kann sich nicht vorstellen, wie groß die Freude war, als nach fast dreijährigen Verhandlungen ein glückliches Ende gefunden worden war.

Am 6. August 1981 wurde im Beisein des stellvertretenden Bürgermeisters Karl Nolden, des Ratsherrn Walter Hofmann und des Schützenvorstands der erste Spatenstich auf dem 6000 qm großen Gelände getätigt.



Zunächst sollte auf dem tiefgründigen, ehemaligen Flößwiesenboden ein befestigter Platz und dann die Halle entstehen. Unter der Mithilfe von Walter Hofmann und dem Tiefbauunternehmen Karl Immig Paderborn wurde das gesamte Gelände um mehr als einen Meter durch Aufschüttungen angehoben und befestigt.

Rauchten bis dahin die Köpfe, so konnte man jetzt die Muskeln spielen lassen. Mit der Befestigung des Platzes war auch der Bau einer Brücke notwendig geworden, die schweren Baufahrzeugen standhalten musste. In der am 30. Januar 1982 noch im Jugendheim durchgeführten Versammlung wurde der Bau der Toilettenanlage und des damit verbundenen Versammlungsraumes beschlossen. Mit diesem Beschluss stand selbstverständlich auch die Finanzierungsfrage an. Da der erste Bauabschnitt in Eigenleistung erstellt werden musste, entschied man, pro Schütze einen Betrag von 300,- DM zu erheben. Am 4. Juli 1982 wurde in einer kleinen Feierstunde auch die Fußgängerbrücke über dem Flößgraben (durch das Wäldchen zum Schützenplatz) eingeweiht. Am 1. August 1982 wurden in einem schon vorzeitig aufgestellten Zelt alle Interessenten über den Stand und das weitere Vorgehen unterrichtet. Vom 21. bis 23. August fand dann das Schützenfest statt.

In der Jahreshauptversammlung am 29. Januar 1983 hatte der Bau der Schützenhalle oberste Priorität. Oberst Meier stellte fest, dass durch tatkräftigen Einsatz alle Versorgungsleitungen, unter der Mithilfe der Firma Henning aus Benhausen, verlegt worden waren. Die Befestigung des Platzes und die Anlage von Gehwegen waren zum Abschluss gebracht worden. Es gelte nun, den ersten Bauabschnitt mit Versammlungsraum, Küche, Toilettenanlage und Heizungsraum zu erstellen. Die reinen Materialkosten hierfür waren auf 150.000,- DM angesetzt. Mit 5 Gegenstimmen und 16 Enthaltungen wurde beschlossen, diesen Bauabschnitt sofort in Angriff zu nehmen. Die feierliche Grundsteinlegung, verbunden schon mit einem Richtfest, erfolgte am 26. August 1983.



Zu diesem Ereignis der Originaltext aus dem Bericht von Josef Jochheim:

„Das Richtfest und die Grundsteinlegung der neuen Schützenhalle am 26. August um 18 Uhr gehörten mit zu den Höhepunkten des vergangenen Schützenjahres. Zu diesem Festakt begrüßte Oberst Meier unseren Präses Pastor Walter Vollmer, den Paderborner Bürgermeister Herbert Schwiete, den Ratsherrn Walter Hofmann, Wilhelm Rudolphi vom landw. Ortsverein, vom Tennisverein Otto Tuszinski, vom Sportverein Konrad Schröder.“


Oberst Meier führte u. a. aus: „Es ist ein erhebender Augenblick in der Geschichte der Bruderschaft, dass nach dem 1. Spatenstich vor zwei Jahren dieser erste Bauabschnitt fertig gestellt werden konnte. In der Rekordzeit von fünf Monaten, in denen durchschnittlich 30 Freiwillige geholfen haben, ist dieses Bauwerk bis zum Richtfest entstanden. Hier hat sich ein Gemeinschaftsgedanke bewährt, der einen großen Teil des Schützenwesens ausmacht." Sein Dank galt auch dem Stahlwerk Krönert aus Buke sowie dem Architekten Siegfried Hafer. Bürgermeister Schwiete überbrachte die Wünsche und Grüße der Stadt Paderborn: „Es ist ein gutes Omen, dass man zum 80jährigen Bestehen der Bruderschaft diese Halle errichten konnte. Mögen noch viele friedvolle und frohe Feste hierin gefeiert werden. Viel Glück zu dem zweiten Bauabschnitt.“

Präses Walter Vollmer gab dem Bauwerk den kirchlichen Segen: „Auf dass noch viel Freude und Frieden in dieser Halle wohne möge.“

In seinem treffenden Richtspruch dankte Zimmermeister Heinrich Schlenger allen, die an diesem Bauwerk gearbeitet haben mit folgenden Worten:

"Froh versammelte Richtfestgäste!
Lasst grüßen Euch aufs allerbeste
und höret nach altem Brauchtum an,
vom Dachstuhl hoch der Zimmermann:
Das Dachwerk ist nun aufgeschicht'
doch ausgemauert ist's noch nicht.
Noch können Regen und Sonnenschein,
von allen Seiten frei herein.
Doch wollen wir hoffen, dass in kurzer Frist,
dieses Haus zum Einzug fertig ist.

Ein gutes Stück Arbeit ist geschafft,
drum preisen wir Gottes Güt und Macht,
dass seine Hilfe mit uns war
und stets auch schütze vor Gefahr.

Gemeinschaftsarbeit schuf dieses Werk,
als erstes Teilstück einer Halle,
für die gesamte Gemeinde
ein Haus für uns alle."


An den zwei Tagen nach dem Richtfest, am 27. und 28. August 1983, wurde noch einmal auf dem alten Schützenplatz ausgiebig Schützenfest gefeiert. Beim Schützenfrühstück wurde bedauert, dass man den schon lieb gewonnen Platz bald verlassen müsse. Gleichzeitig bedankte sich Stadtdirektor Wilhelm Ferlings für den Einsatz der Marienloher Schützen beim Hallenbau hinter dem Wäldchen. Nochmals Josef Jochheim:

„Mit dem Bau der Schützenhalle hat sich die Bruderschaft ein Denkmal gesetzt, welches durch Spenden und Idealismus getragen wurde. Es wird besonders unserer Jugend zugute kommen als eine Stätte der Begegnung und Geselligkeit."

Liebe Leser, Vorgenanntes beinhaltet nur den 1. Teil der Aktivitäten und nur das, was an verschiedensten Stellen aufgezeichnet worden ist. Alles hier zu Papier zu bringen würde den Rahmen des Heimatbriefes sprengen. Ich habe versucht, das Wesentliche zusammenzufassen. Dabei bleiben die vielen Sitzungen und Diskussionen, die notwendigen Fahrten und zusätzlichen Besprechungen mit den verschiedenen Behörden, die insbesondere der 1. Brudermeister Heinrich Meier mit dem geschäftsführenden und erweiterten Vorstand führte, unberücksichtigt.

Ich sehe diesen Beitrag als den 1. Teil (1978-1983) über die Entstehung der großen, vielfältig genutzten Schützenhalle an. Ein zweiter (1984-1986) und dritter Teil (1996-1998) werden später folgen.

Andreas Winkler